Tierra sín mal

Colina del sol

05
De
Ein Jahr Paraguay
05.12.2019 17:44

Nun sind wir, Theo und Doris mit Gustl, heute tatsächlich schon ein Jahr in Paraguay.

Kinder, wie die Zeit vergeht!

Es ist viel passiert, wir haben viel erlebt und eine Menge gute und auch weniger gute Erfahrungen gemacht.

Wir 3 sind also, nach anstrengender Reise, wohlbehalten am 05.12.2018 am Aeropuerto Internacional Silvio Pettirossi in Asunción gelandet. Aus dem winterlichen und kühlen Deutschland standen wir nun nach einem gut klimatisierten Flug hier mit praller Sonne und gute 40°C in Asunción. Bezüglich unserer Cedulá hatten wir noch einige Angelegenheiten abzuarbeiten.

Nach 3 Tagen ging es dann Richtung Provinz. In der Stadt Doctor Juan Eulogio Estigarribia (Umgangssprachlich auch Campo 9 genannt) sollten wir unser erstes angemietetes Zuhause finden. Dort lebten wir, zur Eingewöhnung sehr luxuriös mit Pool, den wir auch tatsächlich dringend brauchten, 2 Monate bis wir auf unser Grundstück zogen. In diesen 2 Monaten konnten wir uns bereits etwas an das Klima gewöhnen und auch erste Erfahrungen mit der Mentalität der Südamerikaner machen. Es ist kein Vergleich, ob man für 14 Tage Urlaub hier im Land ist oder ob es das Zuhause ist und man nicht mehr weg geht. Neben der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen im täglichen Umgang lernten wir auch die ersten unangenehmen Seiten kennen. Zum Beispiel: Da in den meisten Geschäften, außer in den Supermärkten, keine Preise ausgezeichnet sind, wird man des Öfteren, wie man später feststellt, den Gringozuschlag bezahlen müssen. Das ist ein Lehrgeld das wohl jeder Gringo zahlen muss. Egal wie lange er hier in Südamerika lebt. Denn, im Verständnis der Südamerikaner haben wir Europäer (unsere Herkunft kann man uns leider ansehen) sehr viel Geld. Und im direkten Vergleich stimmt es ja nun auch. Unser Vermieter in Campo 9, den wir über RBNB gebucht bzw. gemietet hatten, wollte uns im Nachhinein einen Schaden unterschieben um noch etwas Geld herauszuschlagen.

Am 31. Januar war es dann endlich so weit und wir konnten auf unser neuerworbenes Land umziehen. Dort angekommen erkundeten wir unser neues Zuhause und lebten uns nach und nach ein. Bis zu dem Tag als es uns wie ein herber Schlag traf. Unser Gustl wurde sehr krank und wir brauchten dringend tierärztliche Hilfe. Da wir uns noch nicht auskannten folgten wir der Empfehlung eines Deutschen der auch hier im Departemento lebt. Dieser Tierarzt hatte, so stellte sich später heraus, wenig Ahnung von dem was er tat und hielt uns nur hin. Unserem Hund ging es aber stündlich schlechter. Dieser paraguayische Tierarzt vertröstete uns immer wieder (nur um sein Gesicht nicht zu verlieren) um zu verbergen das er nicht wusste was er tun solle bzw. nicht wusste was unserem Hund fehlte. Dabei waren wir gerade dabei unseren geliebten Hund zu verlieren. Gott sei Dank fanden wir via Internet unsere jetzige Tierärztin in San Bernadino. Ihr haben wir es zu verdanken das unser Gustl noch lebt und nicht an einem Herzinfarkt gestorben ist.

Auf unserem Land stand bereits eine schöne grüne paraguayer Hütte, aus Holz. Somit hatten wir zwar für den Anfang ein Dach über dem Kopf aber mehr war es nun nicht. Und da unser Container auch noch nicht da war, fehlte es uns an allem. Was sehnten wir uns doch nach einem Kühlschrank. Ein kühltes Bier gab es zunächst nur in der nächsten Despensa. Lebensmittel mussten täglich frisch gekauft werden. In der großen sommerlichen Hitze Paraguays wurde ohne Kühlschrank alles sofort schlecht.

Da wir neu auf der Straße waren, kamen einige Nachbar und boten ihre Hilfe an. Einige haben dann tatsächlich für uns gearbeitet, andere wieder nicht. In dieser Zeit wurden wir regelmäßig von unserer Nachbarin vis a vis mit Essen versorgt. Wie gesagt, wir hatten ja noch nichts. Das war eine sehr liebe Geste, die wir so aus Deutschland nicht kannten. Einige liebe Nachbarn sind im Laufe der Zeit, vom anfänglichen Helfer, zum sehr guten Bekannten bzw. auch zum sehr guten Freund geworden.

Einer dieser Nachbarn bot sich an uns unser Haus zu bauen. Nach anfänglicher Besprechung fing er auch gleich am nächsten Montag mit der Arbeit an. Dass ist das Schöne hier auf dem Land, man kann hier bauen wie man es möchte. Ohne Baugenehmigung ohne Architekt. Ganz nachdem was Handwerker, Material und Geldbeutel hergeben. Allerdings sollte man beim Einkauf des Baumaterials darauf achten das man nicht wieder auf den Gringozuschlag hereinfällt. Es ist allerdings von großem Vorteil die Bauarbeiten zu beaufsichtigen und zu begleiten. Denn unser deutscher Standard ist hier in Paraguay unbekannt. So ist es hier völlig normal das nichts, rein gar nichts, normal ist. Aber was ist schon normal ;-) Wenn wir eine Steckdose auf der Wand haben wollen, erwarten wir diese auf eine bestimmte Höhe im ganzen Haus und selbstverständlich auch gerade an der Wand. Und dass ist genau das, was man hier nicht für wichtig erachtet. Man hat Strom und gut ist. So sind unsere lieben Nachbarn eben. Zweckmäßig und praktisch aber schön ist etwas anderes. Hätten wir einen anderen Anspruch (deutscher Standard) hätten wir unser Haus von einem deutschen Bauunternehmer bauen lassen. Heute wohnen wir in einem sehr schönen aber einfachen Haus.

Trotz allem mussten wir auch sehr viel lernen. Alles was wir aus Deutschland, unser Leben lang, kannten, galt hier nicht mehr. Unsere Zuverlässigkeit, unsere Pünktlichkeit, unsere Ordnung und Genauigkeit gibt es hier nicht. Wenn man das fast 60 Jahre in Deutschland gelebt hat, muss man sich hier mächtig umstellen. Denn hier in Paraguay ist alles tranquilo, ALLES. Egal ob es die schiefe Steckdose ist oder Kabel die diagonal über Wände verlaufen oder Armeiereisen die im Beton liegen sollten und nicht darunter, DAS ist tranquilo. Wer das nicht möchte, sollte am Bau bleiben und in der Lage sein die Arbeiter anzuweisen oder von vornherein einen deutschen Bauunternehmer beauftragen. Aber, eines steht fest, man bekommt mit ihnen eine Menge Spaß und hört den ganzen Tag ihre typische Musik, diese so was von hier her passt. Auch haben wir gelernt Lieferungen von Baumaterial sofort beim Abladen zu kontrollieren. Denn zwischen bestellter und gelieferter Ware können große Unterschiede bestehen.

Scheinbar gibt es in Paraguay kein trockenes Bauholz. Die Türen und Fenster trocknen wohl alle erst wenn sie verbaut sind. Dadurch kann sich immer wieder alles verziehen. Nach einem halben Jahr passt womöglich nichts mehr.

In dieser Zeit haben wir sehr viele liebe, nette und selbstverständlich auch weniger nette Menschen kennen gelernt. Jetzt ist bei uns das Wichtigste fertig. Wir haben unser Haus fertig gestellt, unsere Tiere aufgestockt und unser Land wird bewirtschaftet. Wer uns dabei hilft, ist unser lieber Freund und Capataz.

Es ist schon sehr verwunderlich. Es wandern oder wanderten schon immer Menschen in ferne Länder aus. Wenn sie ihresgleichen im fremden Land treffen, rotten sie sich zusammen, helfen einander, unterstützen einander, wie z.B. die Asiaten in den USA. Aber mit den Deutschen ist das etwas anderes. Sie helfen sich untereinander nur schwer. Sie gönnen ihrem Landsmann in der Fremde nicht das schwarze unter dem Fingernagel. Im Gegenteil, es wird gelogen und betrogen was das Zeug hält.

Darum, man hüte sich vor Sturm und Wind und vor allem aber vor Deutschen die im Ausland sind. Denn so mancher deutsche Menschenfreund entpuppt sich doch als faules Ei, Betrüger oder gar als Opportunist.

Selbstverständlich bestätigen Ausnahmen auch hier immer die Regel.

Alles in allem haben wir uns hier in Paraguay, nach diesem ersten, in jeder Hinsicht, anstrengenden Jahr, ein neues und sehr schönes Zuhause gefunden und eingerichtet. Die reichhaltige Flora und Fauna des Landes ist noch immer jeden Tag ein Erlebnis. Die Freundlichkeit, die Herzlichkeit, die Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft aber auch die Schlitzohrigkeit der Paraguayer ist kaum zu toppen.

Wir kennen nun Land und Leute und sind sehr froh hier zu sein.

Ja, wir sind angekommen!

Überall wird gearbeitet...
Ein Woche und der Regen