Tierra sín mal

Colina del sol

08
Fe
Tata kuá
08.02.2019 20:30

Hinter unserem „Bauernhaus“ steht noch der große Steinofen unserer Vorgänger. Diesen Steinofen nennen die Paraguayer, in der Sprache der Ureinwohner (der Guaraní), TATAKUA. Sie kochen, backen oder braten darin eine Vielzahl von durchaus sehr schmackhaften Gerichten.

Ich hatte mir in Deutschland schon gedacht so einen Ofen zu bauen und wir zeigen zu lassen wie er benutzt wird.

Meine Nachbarin schräg gegenüber muss wohl meine Gedanken gelesen haben. Denn, gestern Nachmittag kam sie zu mir und fragte mich ob sie unseren Tatakua benutzen dürfte. Denn sie hätte morgen Geburtstag und ihre 7 Kinder, mit Anhang, hätten sich zur Feier angemeldet. Damit es mit dem Essen schneller geht, würde sie gerne meinen Tatakua benutzen.

Ein innerer Jubelschrei durchfuhr mich. Ich hatte eine sehr nette Nachbarin die meinen Steinofen benutzen möchte. Da kann ich doch bestimmt noch was lernen ;-)

Da die Nachbarin scheinbar sehr nett war sagte ich ihr für den kommenden Nachmittag zu.

So kam es dann das heute Nachmittag Johanna mit einem Bündel Reisig, trockenen Maiskolben und Holz vor unserem Tor stand und um Einlass bat. Ich half ihr flugs beim Tragen und gemeinsam feuerten wir den alten Tatakua an. Alles Holz, Reisig und Maiskolben verschwand im Schlund des Ofens und wurde befeuert.

Nun sollte es im Ofen 1 Stunde brennen und glühen.

In der Zwischenzeit ging ich mit meiner netten Nachbarin nach Hause. Dort bereiteten wir gemeinsam die Sopa und den Choclo (beides sehr wichtige Maisgerichte in der paraguayischen Küche) für den Tatakua vor. Johanna mischte Molke, Zwiebeln, Schweineschmalz, Salz und Maismehl mit zerbröselten Käse zum cremigen Teig für die Sopa. Für das Choclo pürierte sie den frischen Mais und gab nur etwas Molke und Salz aber sehr viel Käse hinzu. Wir beiden mischen und kneteten den Teig bis alles eine mehr oder weniger feste und eine einheitliche Masse ergab.

Alles sollte für 20 Personen reichen und es ergab 2 riesige Schüsseln.

Anschließend als alles gut verrührt und geknetet war trugen wir die 2 riesigen Schüsseln (Johanna trug ihre große Schüssel auf dem Kopf, wie es hier in Paraguay üblich ist.) und einige Backbleche zurück zu uns, an den Tatakua.

Am Steinofen angekommen wurden die Backbleche mit Bananenblätter (anstelle von Backpapier) ausgelegt und die 2 Teige darauf verteilt. Es passte genau, nichts blieb übrig.

Nun war auch der Ofen heiß genug befeuert und die Kohle samt Glut wurden herausgeholt. Die Steine des Ofens hatten sich in der Stunde mächtig aufgeheizt, so dass die Bleche sofort in den Ofen geschoben wurden.

Jetzt hatten Johanna und ich 1 Stunde Zeit um uns bei eisgekühltem Wasser etwas zu unterhalten und um uns besser kennen zu lernen.

Immer mal zwischendurch ging Johanna gucken ob im Ofen alles gut voran ging. Als alles fertig war holte sie die Bleche aus dem Tatakua und probierte die Konsistenz des Gargutes. Als alles für gut befunden war, stand auch schon Johannas Enkelin parat um Beim Abtransport des köstlichen Mahls zu helfen.

Für meine Hilfe wurde ich mit einem großen Stück Sopa und Choclo belohnt. Über diese Aufmerksamkeit freute ich mich sehr und probierte gleich stehenden Fußes das wohlriechende Mahl.

Ich wünschte Johanna eine schöne Geburtstagsfeier und bedankte mich für die Erfahrung und das leckere Essen.

An diesem Abend gab es bei uns Sopa und Choclo zum Abendbrot. Hmmmmmm!!!!!

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